Freitag, 5. April 2013

Sprachen - oder sowas in der Art

Nun, nach über einem halben Jahr in Bunkpurugu, trau ich mich mal etwas über die Sprache hier zu schreiben und ich denk, das wird auch langsam Zeit.
Die Amtssprache ist Englisch, da Ghana früher ein mal britische Kolonie war. Jeder der eine Schulbildung hat kann Englisch sprechen, das sind etwa 60% der Gesamtbevölkerung. Allerdings ist das ein „ungrammatisches Englisch, gespickt mit lokalen Wörtern“, genannt „Pidgin-English“ (Reiseführer).
Die wichtigste Sprache jedoch ist Akan, zu der viele verschiedene Dialekte gehören, wie z.B. Fanti, Twi, Akwapim, Akim und Brong. Diese Sprache spricht, bzw, versteht über 70% der Bevölkerung.
In Bunkpurugu und in den umliegenden Dörfern und sogar in einem Grenzdorf in Togo wird „Moar“ gesprochen. Eine Herausforderung beim Lernen dieser Sprache, ist das für Europäer unmöglich ausgesprochene „ng“. Es würde jetzt auch keinen Sinn machen, dieses Geräusch hier zu beschreiben, ihr würdet es euch sowieso nicht vorstellen können. Das Schwierigste aber ist, dass die allermeisten Leute, Moar weder lesen noch schreiben können. Wir müssen die Sprache also hauptsächlich durch Hören und Sprechen lernen. Ich bin aber ein Typ, wenn ich das Wort nicht mindestens einmal geschrieben gesehen habe, merke ich es mir nie! Manchmal schreiben wir also Wörter auf, so wie man sie ausspricht. Das ist allerdings auch nicht immer einfach, wenn da plötzlich Laute sind für die es in unserem Alphabet keinen Buchstaben gibt.
Am einfachsten zum lernen waren die Begrüßungen, da man die ja jeden Tag hundert Mal runterrattern muss. Dazu gehört hier allerdings nicht einfach nur „Hallo“ und „Tschüss“, sondern eine ganze Reihe von Wörtern (dessen Bedeutungen wir im Einzelnen bis heute noch nicht gecheckt haben), die man sich abwechselnd zuruft. Hier mal eine kleiner Begrüßungsdialog als Beispiel:
Person A: „Awonduali“ („Guten Morgen“)
Person B: „Limah“ („...?“)
Person A: „Lesua“ („Wie geht’s dir?“)
Person B: „Lafie. Awondualesua“ („Gut. Wie ist der Morgen?“)
Person A: „Lafie“ („Gut“)
Person B: „Naa“ (Irgendein abschließendes Wort; Bedeutung unbekannt)
Person A: „Naa“

Schwieriger wird es gerade dann, wenn man z.B. was zu trinken haben will. Das heißt nämlich:
„Loong ngun mengnu“ Man beachte die vielen unmöglichen „ng“! (Zum Glück gibt es Leute, die Englisch sprechen können, wir müssen also nicht verdursten.)
Auch manchmal schwierig sind Wörter mit langgezogenen Vokalen wie in dem Satz:
„N yaan saan daa ngun“ („Ich gehe Wasser kaufen“) Das „aa“ kommt von weiter hinten aus der Kehle und klingt deshalb manchmal wie von einer Ente.

Die Leute hier freuen sich, wenn man ein Paar Wörter auf Moar mit ihnen wechseln kann, also geben wir uns die größte Mühe. Wenn wir mal was nicht wissen, sagen wir einfach, dass wir noch lernen, small small...was mich dann auch gleich weiter zu den Eigenheiten des ghanaischen Englischs bringt. Als „Small small“ bezeichnet man alles was langsam und Schritt für Schritt läuft, also quasi wirklich alles.
Eine Eigenheit, die manchmal für etwas Verwirrung sorgt, ist dass viele hier den Unterschied zwischen „he“ und „she“ nicht so ernst nehmen. (Und ich dachte schon, ich hätte in der Schule nicht richtig aufgepasst und in Afrika können auch Männer schwanger werden...)

Was uns auch öfters zum schmunzeln bringt, sind folgende zwei Angewohnheiten fast aller Ghanaer: An manche Sätze wird gern ein langgezogenes „oooo“ drangehängt, als besondere Hervorhebung oder Betonung eines Adjektivs. Wenn z.B. etwas sehr gut ist, dann ist es nicht „very good“ sondern „good oooo“. Ausgesprochen als ein Wort. Anhängbar ist es wie gesagt, an jedes beliebige Adjektiv.
Wenn dann noch ein „Is it not true? Am I lieing?“ angehängt wird, sind wir oft sprachlos...“He's wearing a very nice dress, it looks good oooo! Is it not true? Am I lieing?“ 
Tja, was soll man dazu noch sagen...?

Wer kann mir das übersetzen? ;)

Freitag, 15. Februar 2013

Extra Classes - Der ganz normale Wahnsinn

Es ist mal wieder schon zehn vor vier und der Lehrer, der unsere älteste Klasse unterrichten soll, ist immer noch nicht da. Ich checke also wie immer erst mal die Anwesenheit in den anderen beiden Klassen, bevor ich mich daran mache unseren drei Jüngsten, Albert, Lamisi und Tanpandam, ihre Aufgaben zu geben. Um diese drei müssen Lisa und Ich uns kümmern, weil sie noch so gut wie kein Englisch können und deshalb im normalen Nachhilfeunterricht nicht mitkommen. (Noch dazu, weil die Lehrerin der jüngsten Klasse (6-9 Jahre) ihnen eine selbst erfunden Art der Bruchrechnung erklärt, bei der ½ kleiner ist als 2/4...)
Für Albert sind es diesmal zehn Minusaufgaben, nachdem er an der Aufgabe gescheitert ist, ob die 2 wohl größer oder kleiner ist als die 4...Nach einigen Erklärungsversuchen (auf Englisch), hab ich es allerdings aufgegeben. Die Minusaufgaben dürften aber in einer Stunde sogar für ihn zu schaffen sein. Lamisi darf in ihrem neuen Copybook, Sätze schön auf eine Linie schreiben und Tanpandam schreibt das Alphabet zum tausendsten Mal ab. Nachdem die Aufgaben verteilt sind, kommt Albert plötzlich drauf, dass er mit seinem Bleistift nicht schreiben kann..., nach einem kleinen Wortwechsel mit Lamisi, gibt diese ihm ihren Kuli und sie fängt mit seinem Bleistift zu schreiben an. (...???...) Ich denke mir, jetzt sind die drei erst mal beschäftigt und gehe raus um zu sehen ob der Lehrer schon aufgetaucht ist. Ja, er ist da und Lisa kommt um mir mit den Kleinen zu helfen.
Als wir zurück in die Klasse kommen ist Albert mit allem anderen in seiner Umgebung beschäftigt nur nicht mit seinen Matheaufgaben und Lamisi ist dabei ihre Sätze so zu schnörkeln, dass das „t“ und das „s“ gleich aussehen...Lisa kümmert sich also um Lamisis „Schönschrift“ während ich versuche Albert aus seinem verträumten „aus-dem-Fenster-Blick“ zu wecken und wieder für seine Minusaufgaben zu begeistern...Als das halbwegs geschafft ist und ich mir sicher bin, dass Albert wenigstens so tut als würde er 5 – 4 an seinen Fingern abzählen, gehe ich mit Tanpandam noch einmal das ABC durch. Bis zum „K“ läuft es schon ganz gut, doch als sie dann beim „P“ mit tiefster Überzeugung und einen triumphierenden Lächeln auf dem Gesicht „G“ sagt und Albert schon wieder dabei ist den Vögeln hinterher zu gucken und Ameisen auf der Fensterbank zu zerdrücken, beschließen Lisa und Ich mit den dreien in einen anderen ruhigeren Klassenraum zu gehen.
Dort angekommen, vermisst Lamisi plötzlich ihren Kuli und auch Albert, der eben noch damit Ameisen gekillt hat, weiß nicht wo der Stift ist...ist ihm aber auch egal, weil er ist gerade dabei seinen Bleistift zu einer Mordwaffe anzuspitzen. Dann entschließt er sich doch dazu ihn zu suchen, kann ihn aber nirgendwo finden. Lisa gibt Lamisi ihren Stift und wir können endlich weiter machen. Als Albert dann aber wieder zu spitzen beginnt, nehme ich ihm den Spitzer ab, doch zu spät, der Bleistift ist mittlerweile so spitz, dass man die Linie auf dem Papier nicht mehr sehen kann. Mit der dritten von seinen zehn Aufgaben hat er allerdings Probleme und ich beschließe ihm zu helfen, begehe dann jedoch einen fatalen Fehler. Ich halte ihm meine Hände hin, damit er an meinen Fingern die geforderte Zahl abziehen kann...zu spät fällt mir sein mörderischer Bleistift ein, mit dem er im nächsten Moment meine Finger „abzieht“. Wenigstens hat er die Aufgabe jetzt richtig aber ich muss eine Runde an die frische Luft, zum Glück ist die Stunde so gut wie um! Für heute bin ich mit meinen Nerven am Ende, aber morgen ist wieder ein neuer Tag und irgendwie freue ich mich drauf, schließlich habe ich diese verrückte Bande doch irgendwie ins Herz geschlossen.


Eingeklemmt zwischen winzigen, klapprigen Schulbänken

Die fleißige Tanpandam und der vertäumte Albert



Albert gönnt sich eine Pause...
 



Sonntag, 10. Februar 2013

Die Harmattan-Saison

Zu dieser Saison, hier erst mal ein Ausschnitt aus meinem Reiseführer:
„In Ghana fällt die Trockenzeit meist mit der Haramttan-Saison zusammen. Harmattan ist der Name der aus Nordosten wehenden Passatstürme, die aus der Sahara kommen und Ghana von November bis Februar erreichen. Das Resultat sind warme Tage und kühle Nächte. (…) Das andere Hauptmerkmal dieser Jahreszeit sind die trüben Tage, verursacht durch den feinen Sand: der Harmattan verfrachtet jährlich mehrere Milliarden Tonnen Staub aus den Wüstengebieten Nordafrikas nach Südwesten.“

Wo genau zumindest ein Teil dieser Milliarden Tonnen aus der Wüste „verloren“ gegangener Staub ab geblieben ist, mussten Lisa und Ich schmerzlich erfahren, als wir nach 12 Stunden Fahrt aus Jirapa am Abend des 11. Januar in Bunkpurugu ankamen. Wir waren todmüde, hatten auf der Fahrt zweimal einen Platten gehabt und waren den ganzen Tag zwischen Koffern eingeklemmt und ohne wirkliche Pause durchgefahren.
Als wir also Abends, selbst völlig verstaubt, die Tür zu unserem Vorbereich, einer kleinen Veranda, öffneten, schlug uns sofort eine stickig, staubige Luft entgegen. In unserem Zimmer entdeckten wir den Grund dafür. Alles, jede noch so klitzekleine Oberfläche, war mit einer feinen aber deutlich sichtbaren Staubschicht bedeckt. Auch die Luft war trüb und der Staub kitzelte in der Nase. Für die Nacht entstaubten wir unsere Betten so gut es ging.
Der gesamte nächste Tag, war eine einzige riesige Entstaubungsaktion. Von früh morgens bis spät abends haben wir unsere zwei Zimmer erst komplett ausgeräumt, Wände, Decke, Boden, Fensterläden und Ventilator gefegt und gewischt, alle Sachen draußen abgeklopft und gewischt und wieder rein ins Zimmer. Die Gelegenheit haben wir dann gleich noch genutzt um einen neuen Boden für unsere Zimmer zu kaufen. Jetzt haben wir in unserem Schlafzimmer einen wunderschönen ausgerollten(!) „Holzboden“. Zumindest sieht es jetzt gemütlicher aus als vorher mit dem einfachen Zementboden. Nach dem einräumen war dann die Veranda dran. Zum Glück haben uns gegen Nachmittag noch unsere Gastbrüder Hamilton und Duncan geholfen, sonst wären wir wohl an dem einen Tag nicht fertig geworden...
Seitdem halten wir jetzt tagsüber die Fensterläden und Türen geschlossen, sonst müssten wir wohl alle zwei Tage gründlich entstauben. Auf unserer Veranda fegen wir tatsächlich jeden zweiten Tag einen halben Sandkasten zusammen.

An manchen Tagen fühlt man sich bei einem Spaziergang durchs Dorf tatsächlich so als wäre man mitten in einen Wüstensturm geraten. Morgens und bis zum Mittag sind die Winde am schlimmsten. Das macht nicht nur das morgendliche Wäsche waschen schwer, sondern auch das fixieren der Wäsche auf der Leine...und an besonders schlimmen Tagen wird das abendliche Duschen zu einem Schlammbad.
Abends lassen die Winde nach und manchmal ist es fast windstill. Dazu herrschen angenehme, fast europäisch (wegen der trockenen Luft) sommerlich kühle Temperaturen.

Es ist eine ungewohnte Wettersituation im Moment, aber wie an fast alles, haben wir uns auch daran schon fast gewöhnt. Man entdeckt und entwickelt ganz neue Eigenschaften; einen Putzfimmel habe ich mir jedenfalls früher nie zugetraut...


Alles raus aus dem Zimmer...

...und ab in den Flur

Für eine Sandburg reicht es noch nicht, aber in einer Woche könnte man schon gut einen Sandkasten füllen
Ich finde das Resultat lässt sich sehen

Freitag, 8. Februar 2013

Weihnachten und Silvester mal anders

Die Weihnachtsferien haben wir also in Jirapa verbracht. Es war eine sehr erholsame und lustige Zeit mit allen anderen Freiwilligen und der Familie Ayembilla.
Ich habe lange überlegt wie ich das Weihnachten wie es hier in Ghana gefeiert wird, am besten beschreibe, und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es einfacher ist zu beschreiben wie es nicht gefeiert wird. Stellt euch einfach Weihnachten vor ohne Weihnachtsbaum, ohne Geschenke
darunter, ohne sinnliche Kerzenstimmung, ohne Christkind, dass das Glöckchen bimmelt, ohne gemütliches Zusammensitzen am Kaminfeuer während es draußen schneit. Ja, es lief zwar den ganzen Tag im Haus in einer Dauerschleife „We wish you a merry christmas“ aber nebenher war die ganze Zeit hektischen Treiben, weil die ganzen drei Tage um Weihnachten eine Christmas Convention stattfand. Das heißt, eine Veranstaltung, bei der zwei – bis dreimal am Tag ein Gottesdienst stattfand. Zwischendurch wurde viel gekocht und gegessen und dann wieder zum Gottesdienst gegangen. Da das Oberhaupt der Familie Ayembilla der Pastor war und seine Söhne das Lobpreisteam bildeten, war die ganze Familie über Weihnachten busy. Wir Freiwilligen mussten nur einmal am Tag zum Gottesdienst, obwohl der auch ganz interessant war, da ein Missionar aus Amerika gepredigt hat und wir alle froh waren mal wieder ordentliches Englisch zu hören.
Am 24.12. haben wir Freiwilligen uns einen gemütlichen Tag gemacht mit Zimtapfelpfannkuchen zum Frühstück und Weihnachtsliedern und Kartenspielen. Abends waren wir dann noch im Gottesdienst. Am 26.12. war dann die richtig große Familienfeier, für die extra ein ganzes Schwein geschlachtet wurde und bei der es überhaupt massig zu Essen gab. Den ganzen Abend bis in die Nacht hinein haben wir draußen im Hof Spiele gespielt bis uns nichts anderes mehr einfiel als „Blinde Kuh“ und „Verstecken“.

An einem Tag haben wir dann noch das Waisenhaus in Jirapa besucht und haben dort mit den Kindern Spaghetti gekocht, gegessen und rumgealbert. Wir hatten einen lustigen Tag und es ist immer wieder erstaunlich mit was für einfachen Sachen man die Kinder hier glücklich machen kann,...auch wenn sie aus unverständlichen Gründen deutsche Tomatensoße nicht mögen...

Silvester war dann so ähnlich. Am 31.12. gab es Abends einen Gottesdienst und bis nach Mitternacht haben die Leute getanzt und gesungen. Es war eine wahnsinns Stimmung in der Kirche und alle hatten einen riesen Spaß. Auch ohne Feuerwerk und Sekt. Am Abends des 01.01. gab es dann wieder eine große Familienfeier mit viiiiel Essen, vielen Spielen und viel Spaß. Jemand hatte die Idee, dass sich alle irgendwie verrückt verkleiden sollten und so wurde das neue Jahr sehr bunt begrüßt.
Wir hatten dann noch eine weitere schöne Woche in Jirapa, bevor wir wieder zurück an unsere Einsatzstellen gefahren sind.

Wieso die Heimfahrt ziemlich „platt“ war und welch sandiger Horror uns dann in Bunkpurugu erwartet hat, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag.


Unser Weihnachtsfrühstück mit Lisa (Bunkpurugu), Sarah (Wenchi) und Jonathan (Jirapa)












Drei der Kinder aus dem Waisenhaus in Jirapa

Von den Kinder "Aunti" genannt zu werden, weckte doch sofort jegliche Muttergefühle
Unser bunt-verrückter Neujahrsabend
 
Festschmaus an Neujahr

Donnerstag, 17. Januar 2013

Mit Gott quer durch Ghana

Dieser Eintrag soll nicht nur von der großen Hilfsbereitschaft der Ghanaer zeugen, sondern auch von der unglaublich großen Liebe und Fürsorge Gottes, die ich vor allem hier in einem zum Teil sehr chaotischen und unübersichtlichen Land beinahe täglich spüre.

Am 18.12.12 mussten wir mal wieder um 1 Uhr morgens aufstehen um den Metro Bus nach Tamale zu nehmen. Von dort wollten wir  in einen Bus nach Wa umzusteigen, weil wir Weihnachten und Silvester zusammen mit den anderen Freiwilligen in Jirapa (eine Stunde entfernt von Wa) verbringen wollten.
Am Tag vorher hatten wir noch versucht unseren Gastbruder in Tamale anzurufen, der uns die Tickets nach Wa kaufen sollte, weil wir sonst keine mehr bekommen hätten, wenn wir sie erst in Tamale gekauft hätten. Da wir ihn nicht erreichen konnten, schickten wir ihm eine SMS und hofften, dass es schon klappen würde...
So saßen wir also eine gefühlte halbe Ewigkeit viel zu früh morgens und bei gefühlten Minusgraden, an der Busstation und warteten, bis der Busfahrer sich endlich entschied, dass es Zeit wurde das Gepäck im Bus zu verstauen.
Als wir dann in Tamale ankamen begann die Kette der Katastrophen, die sich noch über den ganzen Tag ziehen sollten damit, dass der Bus nicht wie normalerweise bis zur Busstation fuhr, sondern irgendwo mitten in Tamale hielt. Alle mussten aussteigen , weil der Bus direkt zur Werkstatt fahren wollte. So standen wir also mitten in Tamale mit unseren Koffern und hatten keine Ahnung wo wir waren. Das erste Gefühl von Panik bahnte sich gerade an, als plötzlich eine Frau neben uns stand, auch aus Bunkpurugu und aus dem selben Bus, die uns anbot uns zur Busstation zu begleiten. Und noch während wir das Angebot dankend und erleichtert annahmen, packte eine andere Frau unsere Koffer (beide!) auf ihren Kopf und brachte uns zur Station.

An der Busstation angekommen wollte uns der Stress und die Panik schon wieder einholen als wir sahen, dass unser Bus nach Wa schon dabei war Gepäck einzuladen und die Leute schon auf ihre Plätze gingen. Und wir hatten immer noch nichts von unserem Gastbruder gehört und hatten keine Ahnung, ob er die Tickets gekauft hatte...In dem Moment ruft er an und sagt uns, er hätte die SMS erst an dem Morgen gelesen und wollte auch die Tickets kaufen, was er aber dann doch nicht gemacht hat, weil der Bus schon weg gewesen wäre, wenn wir angekommen wären...theoretisch.
Da der Bus nach Wa nun schon voll war, kam uns die Idee, ein Trotro zu suchen, das uns nach Wa bringt. Ich wartete also an der Busstation, während Lisa mit der Frau, die uns dahin gebracht hatte zur Trotrostation lief um nach einem Trotro zu suchen. Ein paar Heiratsanträge später kam Lisa mit der guten Nachricht zurück, dass es tatsächlich ein Trotro gibt, das direkt nach Wa fährt.
Zurück an der Trotrostation fällt uns auf, dass das Geld welches wir noch übrig hatten noch reicht um uns nach Wa zu bringen, nicht aber unsere Koffer. Als unsere letzte Hoffnung rufen wir unseren Gastbruder an, der verspricht so schnell wie möglich vorbei zukommen. Erleichtert darüber, gleich jemanden zu haben, der zumindest einen von uns mit dem Moto schnell zur nächsten Bank bringen kann, warten wir....und warten....und warten. Nach 1 ½ Stunden steht bereits das Trotro da, wir sitzen schon drin mit unserem Ticket aber der Fahrer will unser Gepäck nicht aufladen solange wir nicht bezahlt haben. Panik beginnt wieder aufzusteigen als in dem Moment unser Gastbruder in der Tür auftaucht und uns das doppelte an Geld in die Hand drückt als wir eigentlich für unsere Koffer brauchen. Von dem Rest sollen wir uns was zu essen kaufen. Zum tausendsten Mal erleichtert und dankbar an diesem Tag, lassen wir uns in unsere Sitze sinken und denken uns, was kann jetzt noch Schlimmes passieren? …

Es war inzwischen schon 14 Uhr am 18.12.12 und wir rechneten uns aus, dass wir am frühen Abend ungefähr in Wa ankommen müssten...falsch gedacht.
Ungefähr auf einem Drittel des Weges, inmitten von nichts außer vertrockneten Feldern und Buschbränden, fing das Trotro an, ungesunde Geräusche zu machen. Während der Fahrer sich also unter das Trotro begab um den Fehler zu beheben, begaben sich andere für eine Pinkelpause in den Busch. Die Atmosphäre war abenteuerlich. Durch den Rauch, den die Brände verursachten und den durch den Wind aufgewirbelten Sand, konnte man selbst am helllichten Tag keine 100 Meter sehen und der Himmel war grau-rot von Rauch und Sand.
Die Freude als es endlich weiterging währte aber auch nicht lange, denn schon im nächsten Dorf mussten wir an der nächsten Werkstatt (die eher aussah wie ein Autofriedhof...) anhalten.
Eine halbe Stunde lang erkundeten Lisa und ich also die Gegend und machten uns über mein vom Sand gebräuntes Gesicht, das aussah als wäre ich zu lange im Solarium gewesen, und meine durch den Sand sehr hellbraun gewordenen Haare lustig.

Als wir uns fragten, wann es wohl weitergeht und ob es überhaupt heute noch weitergeht, wird uns erst richtig bewusst wie wir zwar von einer Katastrophe in die nächste geschlittert sind, uns aber immer in allerletzter Sekunde irgendein netter Mensch wie ein Engel gerettet hat. Die Erkenntnis, dass es sich wirklich zu 100% lohnt, voll und ganz auf Gott zu vertrauen, trifft uns in dem Moment wie ein Geistesblitz und eine tiefe innere Entspannung bringt uns dazu, mitten im Nirgendwo auf einer Autofriedhof-Werkstatt glücklich zu sein. Wie auf ein Stichwort springt in dem Moment das Trotro wieder an und die Fahrt geht weiter. Mit schmerzendem Hinterteil, Sand in Mund, Lunge, Nase und sonst jeder Körperoberfläche und vollkommen übermüdet aber mit der Gewissheit, dass Gott alles in seiner Hand hat, egal was noch schiefgehen sollte, sitze ich also im Trotro und beobachte die lachsfarbene Sonne wie sie trotz dichtem Rauch mit einem kräftigen Farbton hinter schwarz verkohlten Bäumen untergeht und bin einfach nur glücklich jetzt da zu sein wo ich war und all das an diesem Tag erlebt zu haben.
Eine weitere Trotropanne später kamen wir letztendlich in Wa an wo wir von einem weiteren Gastbruder abgeholt wurden.
Nach insgesamt 22 Stunden Fahrt, kamen wir halbtot und verdreckt aber glücklich in Jirapa an und eine gründliche Dusche später lag ich im Bett und das Einzige was ich noch denken konnte war: „Danke Jesus!“
 

Quer durch Tamale - da haben wir uns ja was in den Kopf gesetzt...äh, auf den Kopf gesetzt

Enges Gedränge an der Trotrostation

Auf geht's in ein verrauchtes Abenteuer



Sonntag, 13. Januar 2013

Präsidentschaftwahlen 2012

Nachdem Ghanas Präsident John Evans Atta Mills nach nicht ganz einer Amtszeit am 24. Juli 2012 im Alter von 68 Jahren plötzlich verstarb wurde nach langen und spannenden Wochen und Monaten des Wahlkampfes am 07.12.12 ein neuer Präsident gewählt. Es war vor allem deshalb spannend den Wahlkampf mit anzusehen, weil er mit dem deutschen Wahlkampf kaum zu vergleichen ist.
Ghanaischer Wahlkampf ist nämlich hauptsächlich eine einzige Party. Da ich als Außenstehende den Eindruck hatte, dass sowieso alle Parteien mehr oder weniger das selbe Programm hatten, nämlich Entwicklung durch Schulbildung und Straßenausbau, und Ghanaer generell auf Musik und Tanz stehen, dass der eigentliche Wahlkampf darin bestand, welche Partei die besseren Parties schmiss. Wochenlang fuhren Wahlkampfautos mit lauter Musik, die wie nebenbei im Text für den jeweiligen Kandidaten warben, durch die Straßen und immer und überall wo diese Musik auftauchte wurde getanzt.
Auf seiner Wahlkampftour durch Ghana kam der Vize Präsident John Dramani Mahama auch in Bunkpurugu vorbei um für seine Partei zu werben. Schon Stunden vorher wurde auf dem großem Platz der Busstation laute Musik gespielt und ausgelassen getanzt und getrunken. Als der Vize Präsident dann endlich kam, redete er eine viertel Stunde und war wieder weg. Um die Menge zu belustigen, trat noch ein Japaner auf die Bühne. Der redete ein paar Sätze auf japanisch und die Leute schmissen sich weg vor lachen. Ein gelungener Auftritt also und so ging die Party weiter bis spät in die Nacht.
Die Wahlen an sich liefen dann folgendermaßen ab: Ab 7 Uhr morgens konnte man in jedem Dorf an mehren Stellen wählen...theoretisch. Tatsächlich war es nämlich so, dass in manchen Dörfern die Wahlmaterialien nicht rechtzeitig vorhanden waren.
Der Wähler ging also in seiner Stadt/ seinem Dorf (die meisten sind in ihrer Heimatstadt/Dorf registriert, weswegen bei uns full house war, weil die halbe Verwandtschaft plötzlich von überall her kam) zu der Wahlstation an der er registriert war und musste dort erst mal zur Identifikation seinen Wahlausweis zeigen. Als nächstes wurde mit einem Fingerabdruckscanner gecheckt ob man nicht schon ein zweites Mal wählt...theoretisch. Tatsächlich wurde so mancher berechtigter Wähler erst garnicht vom Scanner erkannt. Als nächstes bekam der Wähler einen Zettel in die Hand mit den Bildern und Namen der Kandidaten und dem Logo der jeweiligen Partei daneben. (Bilder und Logo deshalb, weil viele ältere Menschen in Ghana nicht lesen können) Gewählt wurde dann nicht mit einem einfachen Kreuzchen wie in Deutschland, sondern per Fingerabdruck indem der Daumen kurz in ein Stempelkissen gedrückt wurde und dann neben das Bild des jeweiligen Kandidaten.
Enden sollten die Wahlen eigentlich um 17 Uhr abends...theoretisch. Tatsächlich dauerte es an sehr vielen Stellen teilweise bis zum nächsten Tag wegen diverser funktionsunfähiger Scanner oder nicht vorhanden Materialien.
Zwei Tage später stand dann der neue Präsident fest, der dann genau einen Monat später, am 07.01.13 in der Hautstadt Accra feierlich vereidigt wurde: der ehemalige Vizepräsident John Dramani Mahama.

Und hier noch ein Youtube Link...für das richtige ghanaische Wahlkampffeeling ;)


Die Wahlzettel

Erst wird der Name auf der Liste abgehackt, dann kommt der Finger auf den Scanner

Und ab mit dem Wahlzettel in die "Wahlurne"
 

Samstag, 15. Dezember 2012

Alltag

Jetzt nach über drei Monaten in Ghana, haben wir langsam so etwas wie einen Alltag. Allerdings sieht der hier etwas anders aus als in Deutschland. Wir wachen ca. um 7 Uhr auf, weil es dann draußen schon längst hell ist und weil die meisten hier schon seit 5 Uhr zum Teil lautstark beschäftigt sind.
Ungefähr 2-3 mal die Woche wird dann noch vor dem Frühstück die anliegende Wäsche gewaschen. Morgens so früh wie möglich ist die beste Zeit dazu, weil es da noch angenehm frisch draußen ist. Zum waschen schütten wir Wasser aus einem großen Wasserbehälter im Hof in einen Eimer, in dem wir dann die Wäsche mit Seife und Bürste per Hand waschen. Manchmal waschen wir dann morgens so lange bis die Sonne unser kleines Schattenplätzchen verdrängt hat, was bist zu 2 ½ Stunden dauern kann. Wobei man aber für ein Handtuch schon mindestens eine halbe Stunde braucht.
Auch unser Geschirr müssen wir jeden Tag in einem Eimer mit Wasser waschen. Mittlerweile essen wir immer direkt aus dem Topf um nicht immer so viel abspülen zu müssen und um Wasser zu sparen.
Dann gehen wir noch ungefähr alle drei Tage auf den Markt einkaufen. Hauptsächlich Brot und Haferflocken fürs Frühstück, hin und wieder aber noch Klopapier oder eine Wassermelone. So viel mehr gibt es auch nicht in Bunkpurugu.
Jetzt wo die Trockenzeit auch schon längst da ist und die Umwelt immer staubiger wird, müssen wir auch unsere Zimmer immer öfter fegen. Nach einer Woche z.B. fegt man auf unserer Terrasse einen halben Sandkasten zusammen. Und das ist mit einem zusammengebundenen Bündel aus trockenen Gräsern als Besen schon eine Leistung.
In unserer Freizeit, das ist meistens während der Mittagshitze, sitzen wir drinnen und lesen, schreiben Tagebuch oder beschäftigen uns irgendwie. Abends, wenn wir von unserer Arbeit wiederkommen, sitzen wir vor dem Abendessen noch draußen, ruhen uns aus, gucken beim kochen zu oder unterhalten uns einfach.
So geht fast jeder Tag langsam vorbei. Alltag eben...