Donnerstag, 17. Januar 2013

Mit Gott quer durch Ghana

Dieser Eintrag soll nicht nur von der großen Hilfsbereitschaft der Ghanaer zeugen, sondern auch von der unglaublich großen Liebe und Fürsorge Gottes, die ich vor allem hier in einem zum Teil sehr chaotischen und unübersichtlichen Land beinahe täglich spüre.

Am 18.12.12 mussten wir mal wieder um 1 Uhr morgens aufstehen um den Metro Bus nach Tamale zu nehmen. Von dort wollten wir  in einen Bus nach Wa umzusteigen, weil wir Weihnachten und Silvester zusammen mit den anderen Freiwilligen in Jirapa (eine Stunde entfernt von Wa) verbringen wollten.
Am Tag vorher hatten wir noch versucht unseren Gastbruder in Tamale anzurufen, der uns die Tickets nach Wa kaufen sollte, weil wir sonst keine mehr bekommen hätten, wenn wir sie erst in Tamale gekauft hätten. Da wir ihn nicht erreichen konnten, schickten wir ihm eine SMS und hofften, dass es schon klappen würde...
So saßen wir also eine gefühlte halbe Ewigkeit viel zu früh morgens und bei gefühlten Minusgraden, an der Busstation und warteten, bis der Busfahrer sich endlich entschied, dass es Zeit wurde das Gepäck im Bus zu verstauen.
Als wir dann in Tamale ankamen begann die Kette der Katastrophen, die sich noch über den ganzen Tag ziehen sollten damit, dass der Bus nicht wie normalerweise bis zur Busstation fuhr, sondern irgendwo mitten in Tamale hielt. Alle mussten aussteigen , weil der Bus direkt zur Werkstatt fahren wollte. So standen wir also mitten in Tamale mit unseren Koffern und hatten keine Ahnung wo wir waren. Das erste Gefühl von Panik bahnte sich gerade an, als plötzlich eine Frau neben uns stand, auch aus Bunkpurugu und aus dem selben Bus, die uns anbot uns zur Busstation zu begleiten. Und noch während wir das Angebot dankend und erleichtert annahmen, packte eine andere Frau unsere Koffer (beide!) auf ihren Kopf und brachte uns zur Station.

An der Busstation angekommen wollte uns der Stress und die Panik schon wieder einholen als wir sahen, dass unser Bus nach Wa schon dabei war Gepäck einzuladen und die Leute schon auf ihre Plätze gingen. Und wir hatten immer noch nichts von unserem Gastbruder gehört und hatten keine Ahnung, ob er die Tickets gekauft hatte...In dem Moment ruft er an und sagt uns, er hätte die SMS erst an dem Morgen gelesen und wollte auch die Tickets kaufen, was er aber dann doch nicht gemacht hat, weil der Bus schon weg gewesen wäre, wenn wir angekommen wären...theoretisch.
Da der Bus nach Wa nun schon voll war, kam uns die Idee, ein Trotro zu suchen, das uns nach Wa bringt. Ich wartete also an der Busstation, während Lisa mit der Frau, die uns dahin gebracht hatte zur Trotrostation lief um nach einem Trotro zu suchen. Ein paar Heiratsanträge später kam Lisa mit der guten Nachricht zurück, dass es tatsächlich ein Trotro gibt, das direkt nach Wa fährt.
Zurück an der Trotrostation fällt uns auf, dass das Geld welches wir noch übrig hatten noch reicht um uns nach Wa zu bringen, nicht aber unsere Koffer. Als unsere letzte Hoffnung rufen wir unseren Gastbruder an, der verspricht so schnell wie möglich vorbei zukommen. Erleichtert darüber, gleich jemanden zu haben, der zumindest einen von uns mit dem Moto schnell zur nächsten Bank bringen kann, warten wir....und warten....und warten. Nach 1 ½ Stunden steht bereits das Trotro da, wir sitzen schon drin mit unserem Ticket aber der Fahrer will unser Gepäck nicht aufladen solange wir nicht bezahlt haben. Panik beginnt wieder aufzusteigen als in dem Moment unser Gastbruder in der Tür auftaucht und uns das doppelte an Geld in die Hand drückt als wir eigentlich für unsere Koffer brauchen. Von dem Rest sollen wir uns was zu essen kaufen. Zum tausendsten Mal erleichtert und dankbar an diesem Tag, lassen wir uns in unsere Sitze sinken und denken uns, was kann jetzt noch Schlimmes passieren? …

Es war inzwischen schon 14 Uhr am 18.12.12 und wir rechneten uns aus, dass wir am frühen Abend ungefähr in Wa ankommen müssten...falsch gedacht.
Ungefähr auf einem Drittel des Weges, inmitten von nichts außer vertrockneten Feldern und Buschbränden, fing das Trotro an, ungesunde Geräusche zu machen. Während der Fahrer sich also unter das Trotro begab um den Fehler zu beheben, begaben sich andere für eine Pinkelpause in den Busch. Die Atmosphäre war abenteuerlich. Durch den Rauch, den die Brände verursachten und den durch den Wind aufgewirbelten Sand, konnte man selbst am helllichten Tag keine 100 Meter sehen und der Himmel war grau-rot von Rauch und Sand.
Die Freude als es endlich weiterging währte aber auch nicht lange, denn schon im nächsten Dorf mussten wir an der nächsten Werkstatt (die eher aussah wie ein Autofriedhof...) anhalten.
Eine halbe Stunde lang erkundeten Lisa und ich also die Gegend und machten uns über mein vom Sand gebräuntes Gesicht, das aussah als wäre ich zu lange im Solarium gewesen, und meine durch den Sand sehr hellbraun gewordenen Haare lustig.

Als wir uns fragten, wann es wohl weitergeht und ob es überhaupt heute noch weitergeht, wird uns erst richtig bewusst wie wir zwar von einer Katastrophe in die nächste geschlittert sind, uns aber immer in allerletzter Sekunde irgendein netter Mensch wie ein Engel gerettet hat. Die Erkenntnis, dass es sich wirklich zu 100% lohnt, voll und ganz auf Gott zu vertrauen, trifft uns in dem Moment wie ein Geistesblitz und eine tiefe innere Entspannung bringt uns dazu, mitten im Nirgendwo auf einer Autofriedhof-Werkstatt glücklich zu sein. Wie auf ein Stichwort springt in dem Moment das Trotro wieder an und die Fahrt geht weiter. Mit schmerzendem Hinterteil, Sand in Mund, Lunge, Nase und sonst jeder Körperoberfläche und vollkommen übermüdet aber mit der Gewissheit, dass Gott alles in seiner Hand hat, egal was noch schiefgehen sollte, sitze ich also im Trotro und beobachte die lachsfarbene Sonne wie sie trotz dichtem Rauch mit einem kräftigen Farbton hinter schwarz verkohlten Bäumen untergeht und bin einfach nur glücklich jetzt da zu sein wo ich war und all das an diesem Tag erlebt zu haben.
Eine weitere Trotropanne später kamen wir letztendlich in Wa an wo wir von einem weiteren Gastbruder abgeholt wurden.
Nach insgesamt 22 Stunden Fahrt, kamen wir halbtot und verdreckt aber glücklich in Jirapa an und eine gründliche Dusche später lag ich im Bett und das Einzige was ich noch denken konnte war: „Danke Jesus!“
 

Quer durch Tamale - da haben wir uns ja was in den Kopf gesetzt...äh, auf den Kopf gesetzt

Enges Gedränge an der Trotrostation

Auf geht's in ein verrauchtes Abenteuer



Sonntag, 13. Januar 2013

Präsidentschaftwahlen 2012

Nachdem Ghanas Präsident John Evans Atta Mills nach nicht ganz einer Amtszeit am 24. Juli 2012 im Alter von 68 Jahren plötzlich verstarb wurde nach langen und spannenden Wochen und Monaten des Wahlkampfes am 07.12.12 ein neuer Präsident gewählt. Es war vor allem deshalb spannend den Wahlkampf mit anzusehen, weil er mit dem deutschen Wahlkampf kaum zu vergleichen ist.
Ghanaischer Wahlkampf ist nämlich hauptsächlich eine einzige Party. Da ich als Außenstehende den Eindruck hatte, dass sowieso alle Parteien mehr oder weniger das selbe Programm hatten, nämlich Entwicklung durch Schulbildung und Straßenausbau, und Ghanaer generell auf Musik und Tanz stehen, dass der eigentliche Wahlkampf darin bestand, welche Partei die besseren Parties schmiss. Wochenlang fuhren Wahlkampfautos mit lauter Musik, die wie nebenbei im Text für den jeweiligen Kandidaten warben, durch die Straßen und immer und überall wo diese Musik auftauchte wurde getanzt.
Auf seiner Wahlkampftour durch Ghana kam der Vize Präsident John Dramani Mahama auch in Bunkpurugu vorbei um für seine Partei zu werben. Schon Stunden vorher wurde auf dem großem Platz der Busstation laute Musik gespielt und ausgelassen getanzt und getrunken. Als der Vize Präsident dann endlich kam, redete er eine viertel Stunde und war wieder weg. Um die Menge zu belustigen, trat noch ein Japaner auf die Bühne. Der redete ein paar Sätze auf japanisch und die Leute schmissen sich weg vor lachen. Ein gelungener Auftritt also und so ging die Party weiter bis spät in die Nacht.
Die Wahlen an sich liefen dann folgendermaßen ab: Ab 7 Uhr morgens konnte man in jedem Dorf an mehren Stellen wählen...theoretisch. Tatsächlich war es nämlich so, dass in manchen Dörfern die Wahlmaterialien nicht rechtzeitig vorhanden waren.
Der Wähler ging also in seiner Stadt/ seinem Dorf (die meisten sind in ihrer Heimatstadt/Dorf registriert, weswegen bei uns full house war, weil die halbe Verwandtschaft plötzlich von überall her kam) zu der Wahlstation an der er registriert war und musste dort erst mal zur Identifikation seinen Wahlausweis zeigen. Als nächstes wurde mit einem Fingerabdruckscanner gecheckt ob man nicht schon ein zweites Mal wählt...theoretisch. Tatsächlich wurde so mancher berechtigter Wähler erst garnicht vom Scanner erkannt. Als nächstes bekam der Wähler einen Zettel in die Hand mit den Bildern und Namen der Kandidaten und dem Logo der jeweiligen Partei daneben. (Bilder und Logo deshalb, weil viele ältere Menschen in Ghana nicht lesen können) Gewählt wurde dann nicht mit einem einfachen Kreuzchen wie in Deutschland, sondern per Fingerabdruck indem der Daumen kurz in ein Stempelkissen gedrückt wurde und dann neben das Bild des jeweiligen Kandidaten.
Enden sollten die Wahlen eigentlich um 17 Uhr abends...theoretisch. Tatsächlich dauerte es an sehr vielen Stellen teilweise bis zum nächsten Tag wegen diverser funktionsunfähiger Scanner oder nicht vorhanden Materialien.
Zwei Tage später stand dann der neue Präsident fest, der dann genau einen Monat später, am 07.01.13 in der Hautstadt Accra feierlich vereidigt wurde: der ehemalige Vizepräsident John Dramani Mahama.

Und hier noch ein Youtube Link...für das richtige ghanaische Wahlkampffeeling ;)


Die Wahlzettel

Erst wird der Name auf der Liste abgehackt, dann kommt der Finger auf den Scanner

Und ab mit dem Wahlzettel in die "Wahlurne"
 

Samstag, 15. Dezember 2012

Alltag

Jetzt nach über drei Monaten in Ghana, haben wir langsam so etwas wie einen Alltag. Allerdings sieht der hier etwas anders aus als in Deutschland. Wir wachen ca. um 7 Uhr auf, weil es dann draußen schon längst hell ist und weil die meisten hier schon seit 5 Uhr zum Teil lautstark beschäftigt sind.
Ungefähr 2-3 mal die Woche wird dann noch vor dem Frühstück die anliegende Wäsche gewaschen. Morgens so früh wie möglich ist die beste Zeit dazu, weil es da noch angenehm frisch draußen ist. Zum waschen schütten wir Wasser aus einem großen Wasserbehälter im Hof in einen Eimer, in dem wir dann die Wäsche mit Seife und Bürste per Hand waschen. Manchmal waschen wir dann morgens so lange bis die Sonne unser kleines Schattenplätzchen verdrängt hat, was bist zu 2 ½ Stunden dauern kann. Wobei man aber für ein Handtuch schon mindestens eine halbe Stunde braucht.
Auch unser Geschirr müssen wir jeden Tag in einem Eimer mit Wasser waschen. Mittlerweile essen wir immer direkt aus dem Topf um nicht immer so viel abspülen zu müssen und um Wasser zu sparen.
Dann gehen wir noch ungefähr alle drei Tage auf den Markt einkaufen. Hauptsächlich Brot und Haferflocken fürs Frühstück, hin und wieder aber noch Klopapier oder eine Wassermelone. So viel mehr gibt es auch nicht in Bunkpurugu.
Jetzt wo die Trockenzeit auch schon längst da ist und die Umwelt immer staubiger wird, müssen wir auch unsere Zimmer immer öfter fegen. Nach einer Woche z.B. fegt man auf unserer Terrasse einen halben Sandkasten zusammen. Und das ist mit einem zusammengebundenen Bündel aus trockenen Gräsern als Besen schon eine Leistung.
In unserer Freizeit, das ist meistens während der Mittagshitze, sitzen wir drinnen und lesen, schreiben Tagebuch oder beschäftigen uns irgendwie. Abends, wenn wir von unserer Arbeit wiederkommen, sitzen wir vor dem Abendessen noch draußen, ruhen uns aus, gucken beim kochen zu oder unterhalten uns einfach.
So geht fast jeder Tag langsam vorbei. Alltag eben...

Montag, 10. Dezember 2012

Wenchi

Vom 23.11.12 bis zum 27.11.12 waren wir bei zwei der anderen Freiwilligen in Wenchi um den Geburtstag von Daniel (Wenchi) und Jonathan (Jirapa) nach zu feiern. Wenchi liegt viel weiter im Süden und wir hatten auf unserer 12-stündigen Fahrt das Gefühl auf einen anderen Kontinent zu reisen. In Bunkpurugu und im gesamten Norden ist gerade Trockenzeit und die Harmattan Saison beginnt gerade. Das heißt es ist trocken, heiß und die Landschaft braun (Dazu ein anderes Mal mehr). In Wenchi ist es grün, die Städte und Dörfer sind umgeben von Urwäldern, es gibt alle möglichen Sorten von Obst und nach einem ordentlichen Regenguss ist die Luft kühl und angenehm.

Für die Geburtstagsfeier wollten wir Abends ein ganzes Schwein am Spieß grillen und so sind wir gleich am Morgen nach unserer Ankunft das noch quicklebendige Schwein abholen gegangen. Zwei Männer von dort haben es dann für uns gefesselt, nach Hause transportiert und geschlachtet.
Zu sehen wie ein Schwein geschlachtet wird ist einerseits ekelerregend, andererseits aber auch interessant. Obwohl das Schwein schon mehrere Minuten mit aufgeschlitzter Kehle dalag und man die Speise- und Atemröhre sehen konnte, hat es immer noch geatmet und geblinzelt. Weitere mehrere Minuten später, als es dann schon kahl geschert wurde und immer noch gezuckt hat wurde dann schon diskutiert ob es immer noch leben kann oder ob es nur noch postmortale Muskelzuckungen waren. Spätestens als der Kopf dann ganz ab war, alle Innereien in einem extra Topf kochten und der Rest des Körpers über dem Feuer brutzelte, waren sich alle einig; R.I.P süßes Schweinchen...
Die nächsten zwei Abende haben wir uns alle von Schwein und Stockbrot ernährt und das Lagerfeuer genossen.

Am Montag dem 26.11.12 haben wir dann alle zusammen mit dem Pastor der Gemeinde vor Ort einen Ausflug zu einem Affendorf in der Nähe von Wenchi gemacht. Da im Auto nicht genug Platz für alle war, mussten zwei auf dem Motorrad hinterher fahren. Da ich vorher noch nie auf einem Motorrad mitgefahren bin und ich die gequetschte, heiße Luft im Auto schon beinahe sehen konnte hab ich mir gleich den Platz auf dem Motorrad gesichert und obwohl ich nach zwei Stunden Fahrt meine Beine kaum noch spüren konnte, war es das Erlebnis trotzdem wert! Nie hätte ich gedacht, dass es so Spaß machen würde im lauwarmen Fahrtwind an Wäldern, Feldern und Dörfern vorbei zu sausen, einfach nur die Landschaft zu genießen und mit Erleichterung festzustellen, dass der Fahrer mit dem du auf dem Motorrad sitzt, obwohl auch erst vor kurzem gelernt, tatsächlich Motorrad fahren kann.
Das Affendorf war ein kleines Dorf neben einem Urwald, in dem die Affen leben und hin und wieder in Dorf kommen um nach Essbarem zu suchen. Mit einem Guide und ein paar Bananen für die Affen sind wir dann los in den Urwald rein. Weit mussten wir nicht laufen, da sind schon die ersten kleinen Äffchen im ganzen Rudel angerückt und haben einem die Bananen beinahe aus der Hand gerissen. Unser Guide hat uns sogar einen kleinen Friedhof gezeigt, in dem die Dorfbewohner verstorbene Affen sogar richtig beerdigen.

Am nächsten Morgen haben wir uns dann wieder zurück auf den Weg ins staubige Bunkpurugu gemacht. Wer das mal auf der Karte nachgucken will, wir sind erst von Wenchi mit dem Taxi in die nächst größere Stadt namens Techiman gefahren. Von dort aus haben wir ein Troto (vollgestopfter Kleinbus) nach Tamale genommen um von dort mit dem Bus nach Bunkpurugu weiter zu fahren.

Alles in allem war das ein sehr gelungener Wochenendurlaub im wunderschönen Wenchi-Paradies!


Es war (fast) wie bei Asterix und Obelix ;)

Dieser hier hat bereits die nächste Banane in Sicht

Spaziergang durch den ghanaischen Urwald

Von links nach rechts: Pastor aus Wenchi, Sarah, Daniel, Jonathan, Gesa, Ich, Lisa

Montag, 19. November 2012

Wanderung durch Bunkpurugu

Hier mal ein paar Bilder von Bunkpurugu und der wunderschönen Umgebung. Folgt man dem Weg hinter unserem Haus nur eine viertel Stunde immer geradeaus, landet man quasi mitten im afrikanischen Niemandsland...

Ein Stein am Fluss, der angeblich von Natur aus aussieht wie die Karte von Afrika


Bunkpurugus Trampelpfade - auf denen kommt man von Haus zu Haus

Farbenfrohe Felder und im Hintergrund die Strohdächer der typischen runden Lehmhütten

Auch Kinder müssen tragen helfen - auf dem Weg durch die Felder

Hinter den endlosen Feldern...

...erstreckt sich eine endlose Baum - und Graslandschaft. Angekommen im Nirgendwo.

Über den Damm und noch ein bisschen weiter und man landet in Togo

Romantische Atmosphäre beim Sonnenuntergang am Damm

Im Herzen von Bunkpurugu, direkt neben dem Markt

Eine der Hauptstraßen - der Weg vom Markt zurück nach Hause

Samstag, 17. November 2012

Unsere Aufgaben

Endlich nach ca. 8 Wochen in Bunkpurugu kann ich euch genauer erklären was eigentlich unsere Aufgabe hier ist. Wir betreuen eine Gruppe von 30 Waisen bzw. Halbwaisen, indem wir ihnen Nachhilfe geben, darauf achten, dass ihre Krankenversicherung immer auf dem neuesten Stand ist und uns um ein paar materielle Nöte, wie zum Beispiel neue Schuluniform, Bücher, Stifte, Schuhe ect. kümmern. Und wenn sich dann noch jemand findet der Zeit hat uns durch Dorf zu führen, werden wir die Kinder noch in ihren Schulen und zuhause besuchen um zu sehen wie ihre schulischen Leistungen sind und ob es zuhause vielleicht Probleme gibt.
Eine Woche sähe dann ungefähr so aus:
Montag und Donnerstag Vormittags besuchen wir die Kinder in den Schulen und zuhause. In den Schulen müssen wir genau aufschreiben wie oft sie in der Schule waren und wie ihre Leistungen sind. Montag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags um 15:30 Uhr fängt dann die Nachhilfestunde an. Die Kinder sind in drei Klassen nach ihren Altersstufen eingeteilt. Da kommt es auch vor, dass in einer Klasse Kinder von der 1. bis 3. Klasse sitzen. Für jede Klasse gibt es einen Lehrer der unterrichtet. Wir sitzen dabei um eventuell einzelnen zu helfen. Da zwei der Lehrer ziemlich häufig nicht kommen, müssen Lisa und ich das Unterrichten übernehmen. Das ist gar nicht so einfach wenn jedes Kind auf einem anderen Leistungsstand ist und du deswegen ständig einzelnen was extra erklären musst, das auch noch auf Englisch was 6-jährige kaum verstehen und gleichzeitig die anderen Kinder durch den Raum wuseln und voneinander abschreiben oder sich die Lösungen vorsagen. Das ist jedes mal die anstrengendste Stunde des Tages aber ich bin jedes mal froh wenn auch nur ein Kind am Ende sagen kann: „Ah, I understand now.“
Am Mittwoch haben wir Vormittags frei und Nachmittags haben wir eine Zeit wo wir mit den Kindern spielen und sie so besser kennenlernen können. Am Freitag ist dann Bürotag, da wird der anfällige Papierkram erledigt. Da muss alles was den Gesundheitszustand, Leistungsstand und alles was für das Kind getan wurde oder was dieses Kind betrifft aufgeschrieben und digitalisiert werden, damit die Organisation weltwärts später genau weiß was sich alles getan hat während wir da waren. 


Unsere Kinder...

...beim spielen

Das Haus (bzw. die Lehmhütte) in dem wir Nachhilfe geben

Englisch Unterricht für Klasse 2 und 3

Klein Albert lernt fleißig das ABC


So viel zu unseren Aufgaben bis jetzt. Es kann gut sein, dass noch das ein oder andere dazu kommt. Zum Beispiel sollen wir eigentlich noch mehr oder weniger die Leitung einer Frauengruppe übernehmen, die Seife herstellt und dann verkauft um so das Einkommen der Frauen ein wenig zu erhöhen oder um überhaupt für ein Einkommen zu sorgen. Nur leider hat diese Gruppe noch keine Mitglieder und überhaupt geht das ganze nur sehr schleppend voran.

Montag, 29. Oktober 2012

Hochzeit

Am Samstag den 20.10.12 wurde in der Assemblies of God Gemeinde in Bunkpurugu Hochzeit gefeiert. Erstes Problem am Samstag Morgen: Was ziehe ich an? Als wir unsere Koffer für Ghana gepackt haben, haben wir wirklich an alles gedacht: was kann dreckig werden, was ist praktisch, nicht zu warm und komfortabel. Aber an ein Kleid für eine besondere Angelegenheit wie eine Hochzeit natürlich nicht...Also haben wir einfach unsere geschneiderten afrikanischen Kleider angezogen; schick genug waren sie und damit fällt man auch nicht ganz so auf...
Als wir in der Kirche ankamen wurde schon kräftig gesungen und getanzt. Das Brautpaar war noch nicht da. Nach einer Weile kam dann der Bräutigam mit seinem „Best man“, umringt von mehreren Männern in schwarzen Anzügen, die ihn an seinen Platz unter einem Bogen aus Luftballons begleiteten. Sein Trauzeuge saß hinter ihm und tupfte ihm unentwegt den Schweiß aus dem Gesicht, während dieser starr auf das Getanze und Gesinge vor ihm blickte. Nach einer Weile kam dann auch die Braut. Ganz in weiß war sie zwar leicht zu erkennen, allerdings war sie so dicht umringt von singenden Frauen und wild fotografierenden Gästen, dass man nur einen Teil ihres Schleiers sehen konnte, während sie den Gang entlanglief...“lief“ ist eigentlich das falsche Wort. Die Masse bewegte sich so langsam voran, dass es schon fast so aussah als würden sie gleich stehen bleiben.
Fast vorne angekommen, kam ihr dann der Bräutigam entgegen und der Vater der Braut „überreichte“ ihm die Braut.
Die ganze Zeremonie verlief im Grunde nicht viel anders als bei deutschen christlichen Hochzeiten, außer, dass sie sich endlos in die Länge zog, da zwischendurch ständig irgendwelche Politiker und andere „wichtige“ Persönlichkeiten und Ehrengäste vorgestellt werden mussten.
Was mir aber auch schon vorher aufgefallen war auf dem Hochzeitsvideo eines Gastbruders war, dass alle Gäste fröhlich schienen und sangen und tanzten...außer das Brautpaar. Man musste schon sehr genau hinsehen um überhaupt mal den Ansatz eines Lächeln zu erkennen. Beide, Braut und Bräutigam, so sah es zumindest aus, schienen die Zeremonie mit starrem Blick über sich ergehen zu lassen. Meine Mitfreiwillige Lisa vermutete es sei der Stress, wegen der ganzen Hochzeitsvorbereitungen, wobei ich mir aber nicht vorstellen kann, dass da deutsche Brautpaare weniger gestresst sein sollen und ich hab noch keine deutsche Hochzeit gesehen bei der zumindest die Braut nicht mal gelächelt hat... wenn ihr da andere Erfahrungen gemacht habt, lasst es mich bitte wissen!
Trotzdem war die Zeremonie sehr schön und sehr eindrucksvoll, mit den vielen bunt gekleideten, tanzenden Frauen, der wunderschönen Braut im weißen Kleid, dem Eheversprechen inklusive Ringtausch und Kuss. Eine schöne Hochzeit.
Nach 4 ½ Stunden sind Lisa und Ich allerdings, noch vor Ende(!), gegangen. Als unsere Gastschwester uns gefragt hat ob wir schon mit ihr nach Hause gehen wollen, haben wir mit Freuden gesagt, Ja, wir wollen!