Donnerstag, 4. Oktober 2012

Ghanaische Fernsehserien

Ihr wundert euch vielleicht, warum es sich lohnen soll über so ein Thema einen Eintrag zu schreiben...ich erkläre euch wieso.
Mit ghanaischen Fernsehserien verhält es sich nämlich ähnlich wie mit Justin Bieber. Entweder man liebt sie, man hasst sie, oder man macht sich einfach nur über sie lustig.
Diese Filme triefen nur so vor Schmalz und Herzschmerz, dagegen sind die Bollywood Filme die reinsten Actionstreifen.
Hier mal die auffälligsten Merkmale einer ghanaischen Fernsehserie:
  1. Es wird ständig geheult. Und zwar sehr ausgiebig, was auch direkt zum nächsten Merkmal führt...
  2. Jede Szene (vor allem die Heulszenen) zieht sich unglaublich in die Länge und wird noch dazu von...
  3. …meistens total unpassender Musik unterlegt.
  4. Die Darstellerinnen sind fast ausnahmslos total überschminkt, tragen aufreizende Kleidung und haben in jeder Szene eine andere Frisur. Einmal musste ich meinen Gastbruder bei jeder neuen Szene fragen, ob das jetzt wieder die von vorher ist oder wieder eine andere, weil...
  5. ...die Handlung sich immer weiter verstrickt in Intrigen, Affären, Skandalen, Lügen, Verbrechen und noch mehr Herzschmerz. Irgendwann kennt sich keiner mehr aus, wer mit wem, mit wie vielen und überhaupt wieso was hatte...
  6. Wer nach all dem ganzen Drama jetzt ein Happy End erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Meistens endet das ganze damit, dass einer stirbt, im Knast landet oder es endet einfach mit Open End...,wahrscheinlich weil die Handlung dann so verzwickt ist, dass dem Autor einfach nicht mehr eingefallen ist, wie man das ganze Schlamassel noch retten kann.

Ich gebe euch mal ein Beispiel, obwohl ich nicht garantieren kann, dass ich die ganze Handlung noch richtig zusammen kriege...
Zu den Hauptcharakteren gehören drei beste Freunde. Der eine hat eine Freundin, die ihn sehr gerne heiraten würde, aber er will nicht so recht, weil er ein Auge auf die Mutter einer seiner besten Freunde geworfen hat. Die Mutter dieses Freundes wiederum schmeißt sich regelrecht an ihn heran und so beginnen die beiden eine heimliche Affäre. Ein paar Mal werden die beiden fast vom Sohn der Mutter erwischt. Ohne dem Wissen ihrer jüngeren Affäre, beginnt die Mutter noch eine mit dem anderen besten Freund ihres Sohnes...noch dazu „unterstützt“ die Mutter ihre beiden Affären mit einer beträchtlichen Geldsumme. Die Handlung nimmt eine dramatische Wende, als der eine junge Mann, die Mutter mit ihrer anderen jungen Affäre, einem seiner besten Freunde im Bett erwischt. Als ob das schon nicht genug Schock für beide wäre, kommt in dem Moment auch noch der Sohn der Mutter in das Zimmer, der seine Mutter eigentlich mit einem Strauß Blumen überraschen wollte. Er sieht seine zwei halbnackten besten Freunde mit seiner Mutter im Schlafzimmer und ab jetzt läuft alles in Zeitlupe. Man sieht die geschockten Gesichter jedes Beteiligten für mindestens eine Minute...dann sieht man wie der Blumenstrauß aus der Hand des Sohnes dramatisch zu Boden fällt und die übertrieben zitternde Hand der Mutter, die immernoch ihr Champagnerglas in der Hand hat. Der Sohn läuft aus dem Zimmer, dann ein Cut. Die nächste Szene ist eine extra lange Heulszene der Mutter. Dann erfährt man, dass der Sohn im Gefängnis gelandet ist, weil er auf seine beiden (ehemalig) besten Freunde geschossen hat. Einer ist gestorben, und der andere (der mit der Freundin) liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Nach ein paar weiteren Heulszenen der Mutter, beschließt diese, eine befreundete Richterin dazu zu bringen ihrem Sohn nicht die drohende Todesstrafe zu verhängen. Nachdem diese aber nicht auf diesen Deal einlässt, lässt die Mutter die Tochter der Richterin entführen um diese zu erpressen. Dann endet der Film/Folge mit einem Schuss. The End.

Die Ghanaer lieben diese Serien, sie können dir nämlich immer genau erklären was gerade passiert, was davor passiert ist UND was noch passieren wird...

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Meine Mitfreiwillige Lisa (links) und ich in unseren maßgeschneiderten afrikanischen Kleidern auf unserer überdachten Veranda in Bunkpurugu

Auf dem Weg nach Bunkpurugu - siehe Blogeintrag "Straßen"

Dienstag, 2. Oktober 2012

Bunkpurugu

Am 24.09.12 sind wir in Bunkpurugu, dem Ort an dem wir das nächste Jahr über leben und arbeiten werden, angekommen. Bunkpurugu ist ein relativ kleiner und ruhiger Ort, ziemlich weit im Nordosten Ghanas nur drei Kilometer von Togo entfernt. Bis vor ein paar Jahren gab es hier angeblich nicht mal Elektrizität. Es gibt hier ca. 5 einigermaßen befahrbare Straßen, der Rest des Ortes besteht aus Trampelpfaden. In der Regenzeit (also auch jetzt gerade) sind die Wegränder der Straßen und Trampelpfade so hoch mit Gräsern und anderen Pflanzen bewachsen, dass es für Fremde fast unmöglich ist sich zu orientieren. Noch dazu sehen auch die Häuser fast alle gleich aus. Außer auf dem Markt, der Haupteinkaufsstraße und anderen öffentlichen Orten wie Krankenhaus und Schule trifft man auf den Straßen kaum Menschen an. Wenn Mittags die Sonne am heißesten vom Himmel brennt, sitzen die meisten vor ihren Häusern unter einem Baum und ruhen sich aus. Hier hat fast jeder vor seinem Haus ein ca. kniehohes Holzgestell, direkt unter einem großen Baum, auf dem nebeneinander, wie bei einem Floß, mehrere dicke Holzstämme liegen, auf die man sich, mehr oder weniger bequem, setzen oder legen kann. Mittags ist es unter diesen großen Bäumen am besten auszuhalten. Man erlebt regelrecht einen Temperatursturz sobald man sich unter so einen Baum begibt.

Unsere Gastfamilie besitzt sowas, was wir in Deutschland als kleine Farm bezeichnen würden. Das Grundstück besteht aus mehreren Gebäudeteilen (Wohnhäuser der Familie, Dusch- und Klobereich, Küche, unserem Wohnbereich und Hühnerstall), die so stehen, dass in der Mitte ein kleiner Innenhof ist. Hier gibt es Hühner, Schafe und einen Hund und auf der Straße vor unserem Haus laufen noch Esel, Ziegen und Schweine herum, bei denen ich keine Ahnung habe wem die eigentlich gehören. Hier im Haus, wie wahrscheinlich auch in den meisten Häusern Bunkpurugus gibt es kein fließend Wasser. Im Hof stehen drei große Wasserbehälter die, wenn sich nicht vom Regen gefüllt werden, regelmäßig mit Wasser vom nächsten Brunnen gefüllt werden müssen. Den ganzen Tag über sieht man deshalb vereinzelt Frauen mit riesigen Eimern auf dem Kopf die Straße rauf und runter schlendern. Wenn man einmal wegen jeder Kleinigkeit Wasser über den Hof schleppen muss, merkt man erst wie viel Wasser man in Deutschland eigentlich unnötig verbraucht, man muss ja auch nur den Hahn aufdrehen. Hier fängt man plötzlich an, sehr genau darauf zu achten, dass man einen Eimer mit Wasser vielleicht für zwei Mal Geschirrspülen benutzt und dass man zum duschen auch mit einem Eimer hinkommt. Womit man hier sehr viel Wasser spart, ist der Toilettengang...das Klo besteht nämlich nur aus einem Loch. Keine Klospülung. Einmal habe ich den Fehler gemacht, da hinein zugucken. Es ging sehr lebhaft zu da unten, mehr muss ich nicht sagen und wollt ihr wahrscheinlich auch nicht wissen.
Es ist aber schon erstaunlich wie schnell man sich an solche Umstände gewöhnt. Anfangs konnte ich mir kaum vorstellen, dass ich das überlebe mich ein Jahr, jeden Tag, über so ein Loch zu hocken, aber nach einer Woche muss ich sagen, dass ich tatsächlich kaum noch ein Problem damit habe. Das Einzige, was immer noch ein bisschen komisch ist, ist das Lochhäuschen ohne dem Geräusch einer Klospülung zu verlassen. Es ist jedes mal, als hätte man was vergessen...

Unsere Familie besteht aus unserem Gastvater, dem Landlord, der hier anscheinend sehr angesehen ist im Dorf und außerdem mit fast jedem hier verwandt zu sein scheint, seiner Frau, die leider kein Englisch spricht, dafür aber sehr gut kochen kann, deren Sohn, der sehr hilfsbereit und nett ist und anscheinend alleinerziehender Vater von einem kleinem süßen ca. 3 jährigen Jungen ist. Dann wohnen hier noch ein Mädchen und ein Junge, etwas jünger als wir, bei denen wir aber das Verwandtschaftsverhältnis zum Rest der Familie noch nicht ganz durchblickt haben...alles in allem also eine sehr nette Familie.

So, das war jetzt ein etwas längerer Eintrag, ich werde auch noch versuchen Bilder rein zustellen, aber dazu muss ich erstmal herausfinden, wie ich mit meinem Fotobearbeitungsprogramm das Format kleiner machen kann. Ich gebe mir die größte Mühe ;)

Montag, 1. Oktober 2012

Dadas Geschichten 3: Warum man nicht mit Wut handeln sollte

„Es war einmal ein sehr armer Mann, der heiratete eine Frau. Als sie ihren ersten Sohn gebar, ging der Mann in den Süden um Geld zu verdienen und damit seine Frau nicht nochmal schwanger wurde während sie stillte. Als der Mann nach ein paar Jahren die Nachricht bekam, dass er nun wieder nach Hause kann, hatte er immer noch nicht genug Geld um nach Hause zu fahren. Als er es dann nach 21 Jahren zusammen hatte und nach Hause kehrte, fragte er einen weisen alten Mann um Rat. Der gab ihm folgenden Rat: „Wenn du nach Hause kommst und du siehst irgendetwas das dich ärgert, dann geh wieder nach draußen, warte und geh wieder rein. Wiederhole das drei Mal.“
Also ging der Mann und betrat sein Haus. Da sah er im Schlafzimmer seine Frau schlafend im Bett. Neben ihr lag ein junger Mann. Voller Wut darüber, dass seine Frau fremdgeht, zückt er ein Messer und will den Mann umbringen. Da erinnert er sich an die Worte des alten Mannes und geht nach draußen. Als er wieder reinkommt, schlafen die beiden immer noch. Beim zweiten Mal auch noch. Beim dritten Mal sind beide wach und der Mann erfährt, dass der junge Mann sein Sohn ist.“

4 Wochen

Heute sind es genau vier Wochen, die wir jetzt schon in Ghana sind. Zu dem Anlass, hier mal ein paar Fakten und Besonderheiten um diese Wochen mal zu resümieren:
    1. Afrikaner sind nicht faul, sie chillen nur. Gelebte Zeit und Uhrzeit haben hier keinen gemeinsamen Nenner. Wie Pastor Mario so schön gesagt hat: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit.“
    2. Wenn man in ein Zimmer kommt und da steht ein Fernseher, dann ist der an. Und zwar immer. Es sei denn es ist gerade Stromausfall. Das er an ist heißt aber nicht, dass auch geguckt wird. Es wird geredet, rumgelaufen, am Computer gearbeitet, gegessen, telefoniert etc. Da kann der Film noch so spannend, tragisch oder lustig sein. Ich hab hier noch keinen gesehen, der sich einen ganzen Film am Stück angesehen hat.
    3. Wasser trinkt man aus Tüten. Das sind so viereckige, verschweißte Tüten in die ein halber Liter reingeht. Das praktische ist, dass man sie in einem Stück austrinken sollte, weil man sie ja nicht wieder verschließen kann (man reißt sie übrigens mit den Zähnen auf). Das führt dazu, dass man automatisch mehr trinkt und bei der Hitze ist das auch gut so!
    4. Wenn man von jemanden den Namen nicht kennt und ihn rufen will, dann ruft man ihn einfach mit „Mama“, „Dada“, „Brother“/“Sister“, „Uncle“, „Auntie“, „Grandma“ oder „Grandpa“. Dabei nennt man z.B. ältere Männer „Dada“, „Grandpa“ oder „Uncle“ und gleichaltrige oder jüngere „Brother“. Finde ich persönlich super, auch wenn es gewöhnungsbedürftig ist einen Wildfremden mit Dada anzusprechen.
    5. In Ghana wird fast alles mit der rechten Hand gemacht. Die linke Hand gilt als unrein und deshalb ist es schlimme Beleidigung, jemandem etwas mit der linken Hand zu geben und etwas mit der linken Hand entgegen zu nehmen. Auch gegessen wird mit der Hand, der rechten Hand. Für mich als Linkshänderin eine echte Herausforderung, noch dazu weil es in Deutschland völlig egal ist mit welcher Hand man was macht. Für die Ghanaer, die schon öfter mit Weißen zu tun hatten, wie zum Beispiel meine Gastfamilie, ist es nicht mehr so schlimm, wenn man ihnen die linke Hand gibt. Sie wissen schon, dass das von uns aus gar nicht als als Beleidigung gedacht ist. Trotzdem haben sie es auch gerne, wenn sie sehen, dass man sich Mühe gibt und diese Regel trotzdem einhält. Mittlerweile hab ich es mir hinter die Ohren ähh.. ich meine auf die linke Hand geschrieben.

Straßen

Die Straßen hier sind zum Teil einfach nur richtig schlecht! Das ist vielleicht ein bisschen schlampig ausgedrückt, ist aber so. Auf dem Weg von Jirapa nach Bunkpurugu (unserer Einsatzstelle) sind wir alle möglichen Kategorien einer schlechten Straße überfahren.
  1. Kategorie: Asphaltiert ABER...
    Bei dieser Kategorie denkt man zuerst, super, Asphalt, was kann schon nicht stimmen? Diese Art von Straße hat zum Teil mehr Löcher als ein Schweizer Käse. Große, kleine, tiefe, mit Wasser gefüllte, eckige und runde Schlaglöcher, für jeden was dabei. Das nervige dabei ist, dass man mit dem Auto immer anfährt und vor jedem Schlagloch aber wieder abbremsen muss, dann gibt’s einen Holperer, es wird wieder angefahren und vor dem nächsten Schlagloch wieder abgebremst. Die Bewegung die man selber dabei macht, ist ganz einfach und kann jeder vor seinem Rechner nachmachen. Erst Körper in die Lehne drücken, dann nach bisschen nach vorne lehnen und dann ein bisschen nach links oder rechts geneigt einen kleinen Hopser auf dem Stuhl. Und das im drei-Sekunden Rhythmus.
  2. Kategorie: Das soll eine Straße sein?
    Diese, von den Leuten hier sogenannten „Straßen“ bestehen aus Sand und Erde und voraus der Boden hier eben besteht. Sie sind aber weder geradlinig noch eben und haben auch sonst keine Eigenschaften die wir normaler Weise einer Straße zuschreiben würden. Ich versuche diese Straße mal zu beschreiben. Sie sieht zum Teil eher aus wie ein Wanderweg, große Steine liegen verstreut im Weg oder es laufen bis zu einem halben Meter tiefe Rillen quer über die Straße. Sie ist eben wie gesagt nicht eben, hat hier und da Erhöhungen und Senkungen, und wenn wir nicht so gequetscht im Auto gesessen hätten, hätte es einen ganz schön herum geschleudert.
  3. Kategorie: Straße oder Fluss?
    Auf unserem „Roadtrip“ sind wir auch an einer Stelle vorbeigekommen, die komplett von einem Fluss überschwemmt war. Das Wasser floss in Strömen quer über die Straße und Stand zum Teil bis zu den Knien. Kleinere Autos mussten durch geschoben werden, aber wir mit unserem Landcruiser sind meistens einfach durchgefahren, dass das Wasser nur so gespritzt hat! Das war noch die witzigste Kategorie von Straße, die ganze Situation war jedenfalls sehr lustig und irgendwie afrikanisch ^^

Es gibt natürlich auch Straßen, auch asphaltiert, die sehr gut befahrbar sind. Die meistens davon bestehen aber auch aus sandiger Erde, sind aber größtenteils eben. Meistens waren diese Straßen dann so staubig, dass man am Ende der Fahrt von Kopf bis Fuß von einer feiner Sandschicht bedeckt war. Das dann gemischt mit ein „bisschen“ Schweiß und man sah aus als hätte es Schlamm geregnet... :)